Gedichte Wein


Gedichte - Wein

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Getränk: Wein für Leserunden und Gedächtniseinheiten.


Was ist das für ein durstig Jahr!
Die Kehle lechzet immerdar,
Die Leber dorrt mir ein.
Ich bin ein Fisch auf trocknem Sand,
Ich bin ein trocknes Ackerland,
O schafft mir Wein, schafft Wein!

Ludwig Uhland

 

 

 

Aus der Feuerquell des Weines,
aus dem Zaubergrund des Bechers,
sprudelt Gift und – süße Labung,
sprudelt Schönheit – und Gemeines:
nach dem eig'nen Wert des Zechers,
nach des Trinkenden Begabung.

Friedrich Martin von Bodenstedt

 

 

 

Nützliche Lehre

Ein kluger Mann hieraus ersicht
Daß Weins Genuß ihm schadet nicht;
Und item, daß ein guter Christ
In Wein niemalen Wasser gießt:
Dieweil darin ersäufet sind,
All' sündhaft Vieh und Menschenkind.

August Kopisch

 

 

 

Aus den Schmerzen quellen Freuden,
aus der Freude quillt der Schmerz.
Wär' kein Wechsel von den beiden,
folgten nicht auf Freuden Leiden,
würd' nicht warm ein Menschenherz.

Nach den Tränen stellt im Leben
sich auch oft das Lachen ein;
Tränen haben auch die Reben,
aber trotz der Tränen geben
sie den lust'gen, goldnen Wein.

Justinus Kerner

 

 

 

Winzer füllt die Fässer!
Eimer, krumme Messer,
Butten sind bereit.
Lohn für Müh’ und Plage
sind die frohen Tage
in der Lesezeit.
Unsre Mädchen singen,
und die Träger springen,
alles ist so froh;
bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Johann Freiherr von Gaudenz

 

 

Wie es der alte Spruch befiehlt,
So liebt' ich Wein stets, Weib und Lieder,
Doch kam ich dabei übel an
Und thät's wahrhaft nimmer wieder.

Die Weiber fand ich alle falsch,
Die Lieder hab' ich falsch gesungen,
Und nun hat der gefälschte Wein
Mich schließlich auch noch umgebrungen.

Unbekannt

 

 

 

 

Wenn der Fisch runzelt
und der Weinbauer schmunzelt
und die Fischer machen lange Schnuten,
dann gibts Guten.

Wenn jedoch die Gasthofkellner frieren
und die Schiffer triumphieren
und die Winzerstirn legt sich in Falten,
dann kauf' Alten.

Unbekannt

 

 

Ich habe getrunken manchen Wein
in manchem Land beim Wandern;
der eine fuhr mir ins Gebein,
im Kopf fühlt ich den andern;
ins Herz doch ging mir keiner so
und machte mich so frei und froh
und ledig aller Bande
wie Wein vom Schwabenlande.

Unbekannt

 

 

 

 

Das Wasser allein macht stumm,
das beweisen im Wasser die Fische,
Der Wein allein macht dumm,
das beweisen die Herren am Tische,
Daher, um keines von beiden zu sein,
trink' ich Wasser vermischt mit Wein.

Johann Wolfgang von Goethe
 

 

 

 

Historie von Noah

Als Noah aus dem Kasten war,
Da trat zu ihm der Herre dar;
Der roch des Noäh Opfer fein,
Und sprach: "Ich will Dir gnädig sein,
Und, weil Du ein so frommes Haus,
So bitt' Dir selbst die Gnaden aus."
Fromm Noah sprach: "Ach lieber Herr,
Das Wasser schmeckt mir gar nicht sehr,
Dieweil darinn ersäufet sind,
All' sündhaft Vieh und Menschenkind.
Drum möcht' ich armer, alter Mann,
Ein anderweit Getränke ha'n!" –
Da griff der Herr in's Paradies,
Und gab ihm einen Weinstock süß:
Und sprach: "Den sollt du pflegen sehr!"
Und gab ihm guten Rath und Lehr',
Und wies ihm Alles so und so,
Der Noah ward ohn' Maßen froh.
Und rief zusammen Weib und Kind,
Dazu sein ganzes Hausgesind,
Pflanzt Weinberg' rings um sich herum;
Der Noah war fürwahr nicht dumm!
Baut' Keller dann, und preßt den Wein,
Und füllt ihn gar in Fässer ein.
Der Noah war ein frommer Mann,
Stach ein Faß nach dem andern an,
Und trank es aus, zu Gottes Ehr':
Das macht' ihm eben kein' Beschwer.
Er trank, nachdem die Sündfluth war,
Dreihundert noch und fünfzig Jahr.

August Kopisch

 

 

 

Trinklied im Winter

Das Glas gefüllt!
Der Nordwind brüllt;
Die Sonn' ist niedergesunken!
Der kalte Bär
Blinkt Frost daher!
Getrunken, Brüder, getrunken!

Die Tannen glühn
Hell im Kamin,
Und knatternd fliegen die Funken!
Der edle Rhein
Gab uns den Wein!
Getrunken, Brüder, getrunken!

Der edle Most
Verscheucht den Frost,
Und zaubert Frühling hernieder;
Der Trinker sieht
Den Hain entblüht,
Und Büsche wirbeln ihn Lieder!

Er hört Gesang
Und Harfenklang,
Und schwebt durch blühende Lauben!
Ein Mädchenchor
Rauscht schnell hervor,
Und bringt ihm goldene Trauben!

Saus' immerfort
O Winternord,
im schneebelasteten Haine!
Nur streu dein Eis,
Du lieber Greis,
In keine Flasche mit Weine!

Ludwig Heinrich Christoph Hölty
 

 

 

 

Lebenspflichten

Rosen auf den Weg gestreut
und des Harms vergessen!
Eine kleine Spanne Zeit
ward uns zugemessen.

Heute hüpft im Frühlingstanz
noch froh der Knabe;
morgen weht der Totenkranz
schon auf seinem Grabe.

Wonne führt die junge Braut
heute zum Altare;
eh die Abendwolke taut
ruht sie auf der Bahre.

Ungewisser, kurzer Daur
ist dies Erdenleben;
und zur Freude, nicht zur Traur
uns von Gott gegeben.

Gebet Harm und Grillenfang,
gebet ihn den Winden;
ruht bei frohem Becherklang,
unter grünen Linden.

Lasset keine Nachtigall
unbehorcht verstummen,
keine Bien' im Frühlingstal
unbelauscht summen.

Pflückt, solang es Gott erlaubt,
Kuß und süße Trauben,
bis der Tod, der alles raubt,
kommt, sie euch zu rauben.

Unser schlummerndes Gebein,
in die Gruft gesäet,
fühlet nicht den Rosenhain,
der das Grab umwehet;

fühlet nicht den Wonnenklang
angestoßner Becher,
nicht den frohen Rundgesang
weingelehrter Zecher.

Ludwig Heinrich Christoph Hölty
 

 

 

 

Abendlied wenn man aus dem Wirtshaus geht

Jetzt schwingen wir den Hut.
Der Wein, der war so gut.
Der Kaiser trinkt Burgunder Wein,
Der schönste Junker schenkt ihm ein,
Und schmeckt ihm doch nicht besser,
Nicht besser.

Der Wirt, der ist bezahlt,
Und keine Kreide malt
Den Namen an die Kammertür
Und hinten dran die Schuldgebühr.
Der Gast darf wiederkommen,
Ja kommen.

Und wer sein Gläslein trinkt,
Ein lustig Liedlein singt
Im Frieden und mit Sittsamkeit,
Und geht nach Haus zur rechten Zeit,
Der Gast darf wiederkehren,
Mit Ehren.

Des Wirts sein Töchterlein
Ist züchtig, schlank und fein;
Die Mutter hält's in treuer Hut,
Und hat sie keins, das ist nicht gut,
Mußt' eins in Straßburg kaufen,
Ja kaufen.

Jetzt Brüder, gute Nacht!
Der Mond am Himmel wacht;
Und wacht er nicht, so schläft er noch.
Wir finden Weg und Haustür doch,
Und schlafen aus im Frieden,
Ja Frieden.

Johann Peter Hebel
 

 

 

Lob der Weine

Man sagt wohl: in dem Maien,
Da sind die Brünnlein g'sund –
Ich glaub's nit, bei mein Treuen,
Es schwenkt ei'm nur den Mund
Und tut im Magen schweben,
Drum will mir's auch nicht ein:
Ich lob die edlen Reben,
Die bring'n uns guten Wein.
Nun sei mir gottwillkommen,
Du edler Rebensaft!
Ich hab gar wohl vernommen,
Du bringst mir süße Kraft,
Läßt mir mein G'müt nicht sinken
Und stärkst das Herze mein –
Drum wollen wir dich trinken
Und alle fröhlich sein!

Johann Friedrich Fischart
 

 

 

 

Den liebsten bulen den ich han

Den liebsten bulen den ich han
der leit beim wirt im keller,
er hat ein hölzens röcklein an
und heist der Muscateller;
er hat mich recht trunken gmacht
und fröhlich heut den ganzen tag,
gott geb ihm heint eine gute nacht!

Von diesen bulen den ich mein
will ich dir bald eines bringen,
es ist der allerbeste wein,
macht mich lustig zu singen,
frischt mir das blut, gibt freien mut,
als durch seine kraft und eigenschaft,
ein grüß dich gott, mein rebensaft!

Johann Friedrich Fischart
 

 

 

 

Tischlied

Mich ergreift, ich weiß nicht wie,
Himmlisches Behagen.
Will mich's etwa gar hinauf
Zu den Sternen tragen?
Doch ich bleibe lieber hier,
Kann ich redlich sagen,
Beim Gesang und Glase Wein
Auf den Tisch zu schlagen.

Wundert euch, ihr Freunde, nicht,
Wie ich mich gebärde;
Wirklich ist es allerliebst
Auf der lieben Erde.
Darum schwör ich feierlich
Und ohn' alle Fährde,
Daß ich mich nicht freventlich
Wegbegeben werde.

Da wir aber allzumal
So beisammen weilen,
Dächt ich, klänge der Pokal
Zu des Dichters Zeilen.
Gute Freunde ziehen fort,
Wohl einhundert Meilen,
Darum soll man hier am Ort
Anzustoßen eilen.

Lebe hoch, wer Leben schafft!
Das ist meine Lehre.
Unser König denn voran,
Ihm gebührt die Ehre.
Gegen inn- und außern Feind
Setzt er sich zur Wehre;
Ans Erhalten denkt er zwar,
Mehr noch, wie er mehre.

Nun begrüß ich sie sogleich,
Sie, die einzig Eine.
Jeder denke ritterlich
Sich dabei die Seine.
Merket auch ein schönes Kind,
Wen ich eben meine,
Nun, so nicke sie mir zu:
Leb auch so der Meine!

Freunden gilt das dritte Glas,
Zweien oder dreien,
Die mit uns am guten Tag
Sich im stillen freuen.
Und der Nebel trübe Nacht
Leis und leicht zerstreuen;
Diesen sei ein Hoch gebracht,
Alten oder neuen.

Breiter wallet nun der Strom
Mit vermehrten Wellen.
Leben jetzt im hohen Ton
Redliche Gesellen!
Die sich mit gedrängter Kraft
Brav zusammenstellen,
In des Glückes Sonnenschein
Und in schlimmen Fällen.

Wie wir nun zusammen sind,
Sind zusammen viele.
Wohl gelingen denn, wie uns,
Andern ihre Spiele!
Von der Quelle bis ans Meer
Mahlet manche Mühle,
Und das Wohl der ganzen Welt
Ist's, worauf ich ziele.

Johann Wolfgang von Goethe
 

 

 

Hitze

Netz die Lungen mit Wein! Heiß über uns wandelt die Sonne schon,
Alles schmachtet und lechzt unter der Wucht drückender Jahresglut;
Schmelzend süßes Gezirp tönt aus dem Laub, wo die Zikade rasch
ihre Flügel bewegt, denen der helltönende Sang entquillt.
Jetzt, zur Zeit wo die Golddistel erblüht, rasen die Weiber all,
Und die Männer sind schwach.
Mark und Gehirn trocknet des Sirius Gluthauch.

Alkäos
 

 

 

Trinklied

Der Gram soll heute,
Bei goldnem Wein,
Des Windes Beute,
Wie gestern sein!
Dahinter lasse,
Wer sich noch freut,
Die leichenblasse
Vergangenheit!

Friedrich von Matthisson
 

 

 

Fauenlied

Wenn schläfrig die Lippen
Beim Göttermahl nippen,
Umtanzen wir Fauen
Im Walde den Schlauch
Nach altem Gebrauch,
Mit Blonden und Braunen.

Wir tauchen die Sorgen
Von gestern und morgen
In schäumende Becher,
Baccantisch das Haupt
Mit Eppich umlaubt,
Dem Lorbeer der Zecher.

Wir schlummern in Grotten
Umkräuselt von Zotten
Sizilischer Vließe;
Hochweislich und schön
Sagt Vater Silen:
Entbehr und genieße!

Wir wissen in Chören,
Dir, Bacchus! zu Ehren,
Arkadisch zu pfeifen.
Das dringt ins Mark!
Nur Pan ist so stark
In Trillern und Läufen.

Die Fäunlinge sonnen
Bei ledigen Tonnen
Sich krauend auf Rasen
Und üben sich schon,
Mit schnarchenden Ton
Ein Stückchen zu blasen.

Eu'r Wünschen entfliege
Nie jenseits der Krüge,
nach menschlicher Weise!
O Schlauch, unsre Welt,
Bist du nur geschwellt,
Ist alles im Gleise!

Die Ohren recken,
Wo Nymphen im Becken
Der Quelle sich waschen,
Und rüstig bergauf,
Bergnieder im Lauf
Die Spröden zu haschen:

Dasb ziemet in Wäldern,
In Grotten und Feldern,
Dem wähligen Volke,
Bocksöhrig und leicht.
Gelgenheit fleucht,
Wie Wasser und Wolke!

Friedrich von Matthisson

 

 

 


Die jodelnden Schildwachen

Am Ütliberg im Züribiet,
Da steht ein Pulverturm im Riet.
Herr Pestalozzi, der Major,
Pflanzte drei Mann als Wacht davor.

"Hier bleibt ihr stehn, ihr Sackerlott,
Und daß sich keiner muckst und rodt
Sonst - Strahl und Hagel - gibts etwas!
Verstanden? – Also, merkt euch das."

Drauf bog er um den Albisrank,
Wo er ein Tröpflein Roten trank.
Ein Schöpplein schöpft er oder zwei,
Da weckt ihn eine Melodei.

Dreistimmig wie ein Engelchor
Scholls hinterm Pulverturm hervor.
Da half kein Zweifeln das ist klar,
Die Schildwach jodelte fürwahr.

Wer galoppiert jetzt ventre á terre
Wie Blitz und Strahl vom Albis her?
"Vor allem haltet dieses fest,
Drei Tage jeder in Arrest.

Jawohl, das käm mir just noch recht,
Um eines aber bitt ich, sprecht,
Wie diese Frechheit euch gelingt,
Daß einer auf dem Posten singt?"

Da sprach der erste: "Kommandant,
Dort unten liegt mein Heimatland.
Ich schütz es mit der Flinte mein.
Wie sollt ich da nicht lustig sein?"

Der zweite sprach: "Herr Pestaluzz,
Seht ihr das Rathaus dort am Stutz?
Dort wähl ich meine sieben Herrn.
Drum dien ich froh, drum leist ich gern."

Der dritte sprach: "Ich halt als Norm,
's ist eine Freud die Uniform.
's ist eine mutige Mannespflicht.
Da muß man jauchzen oder nicht?"

Der Junker schrie: "Zum Teufel hin,
Die erste Pflicht heißt Disziplin!
Ihr Lauser, wart, euch krieg ich schon
Glaubt mirs!" Und wetterte davon.

Am selbigen Abend spät indes
Meint Oberst Bodmer in der Mess:
"Was Kuckucks hat nur der Major,
Er kommt mir heut ganz närrisch vor?

Singt, pfeift und möggt in seinen Bart
Das ist doch sonst nicht seine Art."
Der Pestalozzi hörte das,
Sprang auf den Stuhl und hob sein Glas:

"Mein lieber Vetter Ferdinand,
Stadtrat und Oberst zubenannt;
Wenn einer kommt und hat die Ehr
Und dient in solchem Militär

Von wetterfestem Bürgerholz,
Gesteift von Trotz gestählt von Stolz,
Lausketzer, die man büßen muß,
Weil ihnen schildern ein Genuß,

Mannschaften, wo der letzte Hund
Hat ein Ideal im Hintergrund -
Komm her beim Styx, stoß an beim Eid,
Wer da nicht mitmöggt, tut mir leid."

Carl Spitteler

 

 

 

Trinklied

Laßt mich trinken, laßt mich trinken,
Laßt von diesem Feuerwein
Immer neue Fluten sinken
Mir in' s durst'ge Herz hinein!
Jedes Ende sei vergessen!
Wie's im Innern drängt und schafft!
Sagt, wer will mir jetzo messen
Grenz' und Schranke meiner Kraft!
Stellt mir schwere, weite, blanke
Becher ohne Ende her,
Füllet sie mit diesem Tranke,
Und ich trink' euch alle leer!
Bringt mir Mädchen, schöne, wilde,
Noch so spröd und noch so stolz,
Schickt die schreckliche Brunhilde,
Alle trifft der Liebesbolz!
Stellet mir die schwersten Fragen!
Wo das ew'ge Räthsel ruht?
Feuerhell und aufgeschlagen
Schwimmt es hier im rothen Blut!
Gebt mir Staaten zu regieren!
Kinderspiel soll mir es sein!
Gebt mir Heere anzuführen,
Und die ganze Welt ist mein!
Burgen möcht' ich jauchzend stürmen,
Ihre Fahnen zittern schon,
Felsen, Felsen möcht' ich thürmen
Und erobern Gottes Thron!

Friedrich Theodor von Vischer

 

 

 

Fünfmalhunderttausend Teufel

Fünfmalhunderttausend Teufel
Kamen einstens in die Welt,
Aber ach! die armen Teufel
Hatten keinen Heller Geld.
Alle fingen an zu winseln,
Alle fingen an zu schrein.
Keiner von den armen Pinseln
Wußte weder aus noch ein.
Satanas, der alte Teufel,
Lachte sich fast lahm und krumm:
Gott im Himmel, diese Teufel
Sind doch wahrlich gar zu dumm.
Alle kratzen sich die Ohren,
Jeder ist ganz desperat!
Jemine! wir sind verloren,
Weiß denn niemand guten Rat?
Da sprach Pipifax, der Kleine:
Ihr seid dumm wie Bohnenstroh,
Ich allein, ja, ich alleine
Bin ein Teufel comme il faut!
Ihr habt Durst und nichts zu trinken.
Freilich ist das Teufelsqual
Seht ihr dort nicht Fenster blinken?
Dorten winkt uns der Pokal.
Seht, dort ist der Rathauskeller,
Dort quartieren wir uns ein;
Haben wir auch keinen Heller,
Hat der Wirt doch guten Wein
Sind die Türen auch verschlossen,
Wer von euch verzaget noch?
Wir marschieren unverdrossen
Alle durch das Schlüsselloch.
Hurra! schrieen alle Teufel
Und spazierten stracks hinein,
Leerten schnell zehntausend Flaschen
Von dem allerbesten Wein.
Sangen drauf im wilden Chore:
Nichts geht über Lieb' und Wein!
Und sie tranken con amore
In die späte Nacht hinein.
Als der Hahn fing an zu krähen,
Und die Flaschen alle leer,
Und die Teufel schon betrunken,
Da kam Satanas daher.
Sperrte in die leeren Flaschen
Die betrunknen Teufel ein
Und verpichte dann die Flaschen,
Zwängt' mit Draht die Pfropfen ein.
Fünfmalhundertttausend Teufel
Sind in Flaschen festgebannt,
Jede dieser Teufelsflaschen
Wird Champagnerwein genannt.
Wenn die Stöpsel munter knallen,
Öffnet sich der Freude Schoß,
Lieder ringsumher erschallen,
Ja, dann ist der Teufel los!

Eduard Maria Oettinger
(1808 - 1872), deutscher Dichter

Man merkte, daß der Wein geraten war:
Der alte Bettler wankte aus dem Tor,
Die Wangen glühend, wie ein Rosenflor,
Mutwillig flatterte sein Silberhaar.

Und vor und hinter ihm die Kinderschar
Umdrängt' ihn, wie ein Klein-Bacchantenchor,
D'raus ragte schwank der Selige empor,
Sich spiegelnd in den hundert Äuglein klar.

Am Morgen, als die Kinderlein noch schliefen,
Von jungen Träumen drollig angelacht,
Sah man den braunen Wald von Silber triefen.

Es war ein Reif gefallen über Nacht;
Der Alte lag erfroren in dem tiefen
Gebüsch, vom Rausch im Himmel aufgewacht.

Gottfried Keller

 

 

Warnung vor dem Wasser

Guckt nicht in Wasserquellen
Ihr lustigen Gesellen,
Guckt lieber in den Wein!
Das Wasser ist betrüglich,
Die Quellen sind anzüglich:
Guckt lieber in den Wein!

Narziß, der hat's erfahren
In seinen schönsten Jahren!
Er sah nicht in dem Wein,
Nein, in dem Quell der Wildnis
Sein allerliebstes Bildnis –
Guckt lieber in den Wein!

Schon mancher ist versunken,
Noch keiner ist ertrunken
In einem Becher Wein;
Die sich darin betrachten,
Die können nicht verschmachten,
Drum guck' ich in den Wein!

Ihr lustigen Gesellen,
Guckt nicht in Wasserquellen,
Guckt lieber in den Wein!
Doch über euer Gucken
Vergeßt auch nicht zu schlucken –
Trinkt aus, trinkt aus den Wein!

 

Wilhelm Müller

 

 

 

Wechsellied beim Weine

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
gleich erwärmet meine Seele
und beginnt in hellen Tönen
einen Preisgesang der Musen.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
alsbald streu' ich meinen Kummer,
all' mein Zweifeln, all' mein Sorgen
in den Braus der Meereswinde.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
läßt mich Bakchos, der der Scherze
Bande löset Blumen atmend,
süß berauscht im Tanze schwanken.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
wind' ich Blumen mir zu Kränzen,
schmücke meine Stirne, singe
von des Lebens stillem Glücke.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
mag ich, schön von Salbe duftend,
und im Arm das Mädchen haltend,
gerne nach Kythere singen.

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
wie entzückt ein Kreis von Mädchen
mich, wo volle, tiefe Becher
erst mir Geist und Sinn erweitern!

Trink' ich ihn, den Saft der Reben,
mir vor Tausenden gewinn' ich,
was ich scheidend mit mir nehme;
doch den Tod teil' ich mit Allen.

Eduard Mörike

 

 

 

Der Wein macht, daß einer anschaut:
einen Kachelofen für ein Bierglas,
Einen Mehlsack für ein Weinfaß,
einen Kirschbaum für einen Besenstiel,
einen Federwisch für eine Windmühl,
eine Katz für einen Wachtel,
einen Star für eine Schachtel.

Abraham a Santa Clara

 

 

Der Wein ist der Glättstein
Des Trübsinns, der Wetzstein
Des Stumpfsinns, der Brettstein
Des Sieges im Schach.
Ha, Wein ist der Meister
Der Menschen und Geister,
Der Feige macht dreister
Und stärket, was schwach;
Der Krankes gesund macht,
Verborgenes kund macht,
Und Morgen aus Nacht.

Al-Harîrî

 

 

 

 

Lieber Sterne ohne Strahlen
Als Strahlen ohne Sterne;
Lieber Kerne ohne Schalen
Als Schalen ohne Kerne;
Geld lieber ohne Taschen
Als Taschen ohne Geld;
Wein lieber ohne Flaschen
Als umgekehrt bestellt.

Friedrich Martin von Bodenstedt

 

 

 


Klagelied

Wann einst die Flaschen größer werden
wann einst wohlfeiler wird der Wein,
dann findet sich vielleicht auf Erden
die goldene Zeit noch einmal ein.

Doch nicht für uns! uns ist geboten
in allen Dingen Nüchternheit –
die goldne Zeit gehört den Toten
und uns nur die papierne Zeit.

Ach! kleiner werden unsere Flaschen
und täglich teurer wird der Wein
und leerer wird's in unseren Taschen
Gar keine Zeit wird bald mehr sein.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

 

 

 

Der Zufriedene

Zwar schuf das Glück hienieden
Mich weder reich noch groß,
Allein ich bin zufrieden,
Wie mit dem schönsten Los.

So ganz nach meinem Herzen
Ward mir ein Freund vergönnt,
Denn Küssen, Trinken, Scherzen
Ist auch sein Element.

Mit ihm wird froh und weise
manch Fläschchen ausgeleert!
Denn auf der Lebensreise
ist Wein das beste Pferd.

Wenn mir bei diesem Lose
Nun auch ein trüb'res fällt,
So denk' ich: keine Rose
Blüht dornlos in der Welt.

Christian Ludwig Reissig

 

 

 

Die Ente

Ente, wahres Bild von mir,
Wahres Bild von meinen Brüdern!
Ente, jetzo schenk' ich dir
Auch ein Lied von meinen Liedern.

Oft und oft muß dich der Neid
Zechend auf dem Teiche sehen.
Oft sieht er aus Trunkenheit
Taumelnd dich in Pfützen gehen.

Auch ein Tier – – o, das ist viel!
Hält den Satz für wahr und süße,
Daß, wer glücklich leben will,
Fein das Trinken lieben müsse.

Ente, ist's nicht die Natur,
Die dich stets zum Teiche treibet?
Ja, sie ists; drum folg ihr nur.
Trinke, bis nichts übrig bleibet.

Ja, du trinkst und singst dazu.
Neider nennen es zwar schnadern;
Aber, Ente, ich und du
Wollen nicht um Worte hadern.

Wem mein Singen nicht gefällt,
Mag es immer Schnadern nennen.
Will uns nur die neidsche Welt
Als versuchte Trinker kennen.

Aber, wie bedaur' ich dich,
Daß du nur mußt Wasser trinken.
Und wie glücklich schätz ich mich,
Wenn mir Weine dafür blinken.

Armes Tier, ergib dich drein.
Laß dich nicht den Neid verführen.
Denn des Weins Gebrauch allein
Unterscheidet uns von Tieren.

In der Welt muß Ordnung sein.
Menschen sind von edlern Gaben.
Du trinkst Wasser, und ich Wein:
So will es die Ordnung haben.

Gotthold Ephraim Lessing

 

 

 

Den Griechen

Das Inselmeer zertrümmert eine Sonne,
In zärtlicher Umblauung, jeden Tag,
Beschenkt mir ihren Splittern Wald und Hag,
Beschert auch uns Verwundertheit und Wonne.

Der Mann durchgoldet froh die kühle Tonne
Mit Saft, der Plage mundendem Ertrag:
Er stärke ihn vom Palikaren-Schlag,
Die Söhne auch, als kommende Kolonne!

Reicht heitre Griechensonne mir im Becher!
Der Trank ist stark: ihr Gastlichen habt Dank!
Zu euch gehört der Fremdling bald als Zecher.

Des Weines Heimat feiern wir mit Sang.
Sein Gott war kühn und ein beherzter Sprecher:
Von Freiheit kündet uns der tolle Schwank.

Theodor Däubler

 

 

 

O lieber Rebenbauer,
Nimm's mit dem Wein genauer!
Das ist kein Bacharacher,
Vielmehr ein Weh und Acher!
Mir wird davon bald grauer,
Bald blauer, lauer, flauer;
Der frißt die stärkste Mauer!
Es ist ein Sauerauer
Ein bei dem Essigbauer
Geborner Winterschauer!

August Kopisch

 

 

 

Mond und Trinker

Schlaf ein, o Mond,
Schlaf ein auf meinem Becher.
Ich seh dir zu.
Ich seh dir zu, o Mond, – ein Zecher
So still wie du.

So still wie du,
Mit dir und fast gestorben
Durchwandle ich ein nächtliches Bereich.
Wir sehn uns zu.
Du trinkst aus meinem Becher:
Und wir sind gleich.

Rudolf Georg Binding

 

 

 

Lacrimae Christi

Es war in alten Zei­ten
ein schwä­bi­scher Fie­del­mann,
der kräf­tig strich die Sai­ten
und lus­tige Mären spann.

Mit Frie­de­rich dem Andern
ins Welsch­land zog er ein,
und kos­tete im Wan­dern
von einem jeden Wein.

Und als auf sei­nem Zuge
er nach Nea­pel kam,
quoll ihm aus ird­nem Kruge
ein Trop­fen wun­der­sam.

Er trank mit durst'­gem Munde
und rief den Wirt her­bei:
"Viel­lie­ber, gebt mir Kunde,
was für ein Wein das sei.

Er rinnt mir alten Kna­ben
wie Feuer durchs Gebein;
von allen Got­tes­ga­ben
muß das die beste sein."

Der dicke Kel­ler­meis­ter
gab ihm die Ant­wort gern:
"Lacri­mae Christi heißt er,
denn Trä­nen sind des Herrn".

Da über­kam ein Trau­ern
den frem­den Fie­del­mann;
er dachte an den Sau­ern,
der in der Hei­mat rann.

Und betend sank er nie­der,
den Blick empor gewandt.
"Herr, weinst du ein­mal wie­der,
so wein im Schwabenland!"

Rudolf Baumbach

 

 


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